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Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.



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Tagung Erbacher Hof - Review


Sonntag, 12. Februar 2012; Erbacher Hof, Mainz
Tagung Erbacher Hof - Review

 

MAINZ. Im Rahmen eines interdisziplinären Gespräches befassten sich auf einer Tagung im Erbacher Hof in Mainz Ärzte und Psychotherapeuten mit den Symptomen und der Therapie von Burnout und Depression. Eingeladen hatten dazu die Akademie des Bistums Mainz, das Mainzer Bündnis gegen Depression und die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz.


Mit den Abgrenzungskriterien von Depression und Burnout befasste sich der Vortrag von Professor Dr. Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz. Lieb verdeutlichte zunächst den im Verhältnis zu anderen Krankheiten hohen Verlust von Lebensqualität insbesondere bei der unipolaren Depression. Psychische Erkrankungen, insbesondere Depressionen, wiesen die proportional stärkste Zunahme als Ursache von Krankschreibungen und Berentungen in der Gesellschaft auf. 13000 Menschen seien allein in Mainz an Depression erkrankt, nur rund fünf Prozent davon würden behandelt. Lieb beschrieb dann die Haupt- und Zusatzsymptome depressiver Erkrankung wie depressive Stimmung, Interessen- und Freudeverlust sowie Antriebsminderung. Negative Einstellungen gegenüber psychisch Erkrankten in der Gesellschaft seien immer noch das größte Hindernis für die Früherkennung und Behandlung psychischer Erkrankungen. Lieb ging auf den Verlauf depressiver Störungen ein und betonte, Depression sei eine potentiell lebensbedrohliche Krankheit. 40 bis 70 Prozent aller Suizide erfolgten im Rahmen einer Depression. Das  „Phänomen“  Burnout, unter dem bis zu einem Viertel der 36 Millionen Erwerbstätiger in Deutschland litten, sei vielfältig und bei jedem Betroffenen anders. Es gebe dafür bisher unter anderem keine einheitliche Diagnostik, keine Epidemiologie und keine Behandlungsstandards. In der Literatur würden 130 Symptome für Burnout aufgelistet. Burnout, so Lieb, könne in eine Depression münden: „Gleichsetzen kann man sie aber nicht“.

Mit der Psychotherapie von Depressionen befasste sich Dr. Eva-Lotta Brakemeier von der Universitätsklinik Freiburg. Psychotherapien würden als Monotherapie für leichtere und in Kombination mit Antidepressiva für schwere depressive Episoden empfohlen, so Brakemeier. Akut oder episodisch depressive Patienten mit Burnout-Symptomatik könnten mit der kognitiven Verhaltenstherapie wie auch der interpersonellen Therapie behandelt werden. Als sinnvoll in der Behandlung chronisch depressiver Patienten mit Bournout-Symptomatik habe sich der Einbezug so genannter CBASP- (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy) Strategien erwiesen. Neu am CBASP sei die schulenübergreifende Verbindung von kognitiven, behavioralen, interpersonellen und psychodynamischen Theorien und Techniken. Bei der „Modediagnose“ Burnout gebe es, so Brakemeier, einen großen Forschungsbedarf.

Mit der medikamentösen Therapie bei Depressionen befasste sich Privatdozent Dr. Andre Tadic von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz. Die Behandlung mit Antidepressiva, betonte Tadic, sei hilfreich für eine überwiegende Mehrheit der behandelten Patienten. Allerdings blieben 10 bis 20 Prozent trotz Medikamenten depressiv. Die Behandlung von Depressionen wird, so Tadic, eingeteilt in eine Akuttherapie, Erhaltungstherapie und Rückfallprophylaxe. Die medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva ist ein wichtiges und etabliertes Verfahren der Depressionstherapie. Wichtigste „primäre“ Angriffsorte von Antidepressiva im Gehirn sind der Serotonin-Transporter, der Noradrenalin-Transporter, der Dopamin-Transporter, die Monoamino-Oxidase sowie sogenannten Alpha-2-Rezeptoren, deren Blockade zu einer Erhöhung von Serotonin und Noradrenalin im synaptischen Spalt führen. Man weiß heute, dass - über diese primären Wirkungen hinaus - Antidepressiva zu intra-zellulären Änderungen des Stoffwechsels und in der Folge zu Änderungen der Bildung von bestimmten Eiweißstoffen führen, die die Kommunikation zwischen den Zellen bestimmter Gehirnareale verbessern. Für wichtige mögliche Nebenwirkungen von Antidepressiva sind die verantwortlichen Wirkorte (Rezeptoren) ebenfalls bekannt (z.B. Acetylcholin-, Histamin- und alpha-1-rezeptor). Die Kenntnis des pharmakologischen Profils eines jeden Antidepressivums erlaubt die Vorhersage häufiger Nebenwirkungen und ihre therapeutische Nutzung, z.B. zur Schlafunterstützung.


In der Praxis erfolgt, so Tadic weiter, die Behandlung von Depressionen unter Berücksichtigung zahlreicher Aspekte, u.a. Schweregrad der Erkrankung, Wirksamkeit von Antidepressiva, Verträglichkeit & Überdosierungssicherheit, früheres Ansprechen auf ein bestimmtes Medikament, Begleiterkrankungen und Begleitmedikamente. Wie jede andere medikamentöse Behandlung muss auch die medizinische Behandlung von Depressionen ausführlich erklärt werden. Das Monitoring sollte anfangs engmaschig erfolgen. Sollte die erste gewählte Behandlung nach 3-4 Wochen nicht erfolgreich sein, muss die Behandlung konsequent optimiert werden.


Eckhard Frick SJ, Professor für Spiritual Care am Universitätsklinikum in München, fragte zu Beginn seines Vortrages mit dem Titel „Türöffner zum äußeren Arzt und inneren Heiler“: Macht die Gesellschaft krank? Und: Wäre es eine Verbesserung der gesellschaftlichen Situation, wenn mehr an Kontemplation und Meditation eingeübt werde? Spirituelle Fragen müssten im Zusammenhang mit Burnout stärker berücksichtigt werden, betonte Frick. Das Spirituelle sei ein Bereich, der im materiellen Sinne nichts nütze und die Betroffenen doch unglaublich entlaste – gerade im Hinblick auf Burnout. Meditation sei in diesem Zusammenhang hilfreich. Meditation befreie vom Leistungsdruck und das sei nützlich im Umgang mit der Arbeitswelt. Frick nannte in seinem Vortrag Burnout eine „Gestalt des erschöpften Selbst“. Es handele sich um einen Zustand der Erschöpfung, mangelnder Effizienz und der Entwertung der eigenen Arbeit. Damit Heilung für die Patienten möglich werde, so Frick, müssten sie eine gute Beziehung zum Arzt wie zu ihrem inneren Heiler entwickeln.

 

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